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Die triste Lage der Kulturvermittler

Das Literaturhaus machte mit einem Aktionstag auf seine triste
Budgetsituation aufmerksam, und befindet sich damit in zahlreicher
Gesellschaft.


Arnold Schnötzinger
orf "kultur"-online, media observer


Autoren gaben ihr letztes Hemd, eine Literatur-Peep-Show und eine
Versteigerung sollten auf die "dramatischen Finanzierungssituation"
aller im Literaturhaus beheimateten Institutionen - der
Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, der
Exilbibliothek, der IG Autoren und der Übersetzergemeinschaft -
hinweisen.

"Politische Strategie"

"Es scheint eine Strategie zu geben, uns einfach auszuhungern", meinte
Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Autorinnen
Autoren (IG Autoren), und wies darauf hin, dass die Institutionen im
Literaturhaus bis zum heutigen Tag "nichts über ihre Jahresbudgets"
wissen.

Schräg vis vis haben übrigens am gleichen Tag sehr hoffnungsfroh die
Betreiberinnen der feministischen Buchhandlung Frauenzimmer ihr neues
Quartier bezogen. Viel Glück.

Millionen fehlen

Unterstützung bekamen Ruiss & Co aber auch von offizieller Seite. Mit
der Wegnahme von 30 Millionen Schilling aus dem Literaturbudget im Jahr
1998 habe es einen "enormen Sündenfall" gegeben, sagte Wolfgang Unger,
der für Literatur zuständiger Ministerialrat. Diese Millionen seien der
Literatur "bis heute" nicht mehr zurückgegeben worden.

Erste Kündigungen

Aber nicht nur das Literaturhaus leidet unter der angespannten
Budgetsituation. Um rund 10% wurden seit dem Antritt der neuen Regierung
die meisten Subventionen kleinerer Kulturinitiativen gekürzt. Doch nicht
nur weniger Geld, sondern auch die schleppende Auszahlung sorgt unter
den meisten Kulturschaffenden für Besorgnis und bringt manche an den
Rand ihrer Existenz.

Immer öfter müssen die Betroffenen ihre ohnehin spärlichen Ressourcen im
Kampf um das Überleben einsetzen, was nicht ohne Auswirkungen auf
künstlerische Arbeit bleibt. Das gerade wieder eröffnete Forum Stadtpark
hat gar eine zwanzig prozentige Subventionskürzung hinnehmen müssen und
steht, wenn sich nichts ändert, im Herbst schon wieder vor dem Aus.
Viele kleinere Kulturinitiativen in Österreich sind derzeit mit einer
existenzgefährdenden Situation konfrontiert.

Budgetprovisorium

Der aktuelle Stand ist", sagt Gabriele Gerbasits von der IG Kultur
Österreich, die rund 300 kleinere Kulturinitiativen vertritt, "dass die
Kulturinitiativen zu Jahresanfang eine Subvention bekommen haben, die
circa ein Viertel ihres Jahresbedarfs umfasst hat. Mit dem mussten sie
bis jetzt auskommen und fast alle Kulturinitiativen haben noch keinen
Bescheid bekommen, wie es weiter geht.

Beispiel: Depot

Von den für heuer vom Depot im Wiener Museumsquartier beantragten
Subventionen im Ausmaß von 3,9 Millionen Schilling, gibt es eine Zusage
über 2,8 Millionen Schilling, wobei derzeit rund 600.000 Schilling
eingelangt sind. Abseits von der derzeitigen Diskussion um den
ungewissen Verbleib des Depots in der bisherigen Heimstätte ist für
Depot-Mitarbeiter Thomas Hübel die vorausschauende Planung ist im
täglichen Überlebenskampf nur sehr schwer möglich. Das reicht von Absage
von internationalen Projekten bis zur Rückstellung notwendiger
Investitionen.

Ein Förderantrag, den das Depot bereits für die nächstjährige Subvention
im Bundeskanzleramt eingereicht hatte, wurde mit dem Hinweis
zurückverwiesen, diesen doch erst im Jänner 2001 einzureichen. Damit
wird die Einhaltung einer ordentlichen finanziellen Gebarung für ein
weiteres Geschäftsjahr erschwert.

mica vor dem Aus?

Auch vergleichsweise größere Institutionen wie das music information
center austria, kurz mica, selbst eine Gründung der Republik Österreich
mit einer Jahressubvention von knapp 10 Millionen Schilling, sind vom
Warten auf finanzielle Mittel negativ betroffen. Man habe zwar, so
Geschäftsführer Peter Rantasa, eine Übergangssubvention erhalten,
dennoch hätte man Ende April einen Großteil der Mitarbeiter entlassen
müssen. Nicht zuletzt angesichts zwei großer europäischer Projekte habe
der Vorstand des MICA einen anderen Weg eingeschlagen. "Wir wollten
keine ausstehende Entscheidung präjudizieren", so Peter Rantasa, so habe
man sich entschlossen, die Belegschaft noch ein Quartal weiter zu
beschäftigen. "Was wir nicht tun, ist operative Mittel einzusetzen. Die
haben wir schlicht und ergreifend nicht", so Rantasa weiter, der Ende
Juni das finanzielle Aus für das mica sieht, sollte sich nichts ändern.

Beispiel: Public Netbase

Wenig Zuversicht herrscht derzeit auch in der Public Netbase als
Plattform für Kunst und Neue Medien. Einen Bescheid über die Zusage von
Subventionen für das Jahr 2000 gibt es hier ebenfalls noch nicht,
zusätzlich könnte sie durch eine nunmehr von Kunsstaatsekretär Morak in
Auftrag gegebene Wirtschaftsüberprüfung weiter verzögert werden. Morak
beruft sich bei diesem Schritt auf eine Empfehlung des
Medienkunstbeirats, der dies aber letzte Woche zurückgewiesen hat. Eine
Beauftragung zur Wirtschaftsüberprüfung, so betonten die Mitglieder des
Medienkunstbeirats, liege gar nicht ihrem Kompetenzbereich.

Daß hinter einer Wirtschaftsprüfung politische Motive gegen eine
bekanntlich regierungskritische Institution stecken könnten, weist
Kunststaatssekretär Franz Morak auch im nebenstehenden Interview wieder
zurück. Für Public Netbase ist aber nicht nur nicht nur die Tatsache
einer Wirtschaftsprüfung unangebracht, sondern auch der Zeitpunkt,
bereitet man derzeit doch das Medienleitprojekt World-Information.org im
Rahmen der "Kulturhauptstadt Brüssel 2000" vor.

Erfolgsabhängige Filmwirtschaft

Bleibt noch ein Blick auf das heimische Filmschaffen. Besonders
betroffen durch Bundesbudgetkürzungen ist das Österreichischen
Filminstitut, dem letztes Jahr 169 Millionen Schilling zur Verfügung
standen, für das heuer aber nur mehr 108 Millionen vorgesehen sind. Dies
ist auch auf den Wegfall der jeweils 50 Millionen Schilling
Sonderförderung zurückzuführen, die es in den letzten beiden Jahren gab.
Da seit 1998 aber die Vergabe von Filmförderungsgeldern auch an das
künstlerischen und kommerziellen Ergebnis gebunden ist, also an
Einspielergebnisse an Kinokasse oder die Teilnahmen an internationalen
Filmfestivals sind, ist durch entsprechende Erfolge mehr Geld nötig. Für
Gerhard Schedl, Leiter des ÖFI ergibt sich daraus ein Dilemma: Entweder
weniger Geld auf viele verteilen, oder einige Großprojekte bevorzugen.
Je weniger Projekte jedoch gefördert werden, desto mehr besteht die
Gefahr, daß jahrelange Aufbauarbeit unter heimischen Filmschaffenden
wieder gefährdet ist.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Staatssekretär Franz Morak.

updated: 06.06.2000 by werner
 
 
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